Datenwiederherstellung und Fotorettung mit dem Opensource Tool PhotoRec

Kürzlich benötigte ich mal wieder die Dienste einer Linux-Boot-CD, um ein System zu retten. Nach einer kurzen Recherche bot mir die Ultimate Boot CD alle wichtigen Tools, die für meinem Zwecke notwendig waren. Als ich diese große Sammlung an Software dieser CD durchging, wurde ich auf ‚PhotoRec‚ aufmerksam.

Wie auf der Webseite von cgsecurity.org dazu zu vernehmen ist:
//PhotoRec is file data recovery software designed to recover lost files including video, documents and archives from hard disks, CD-ROMs, and lost pictures (thus the Photo Recovery name) from digital camera memory. PhotoRec ignores the file system and goes after the underlying data, so it will still work even if your media’s file system has been severely damaged or reformatted.//

Sprich, PhotoRec is eine Datenrettungssoftware die verloren gegangene Dateien wie Videos, Dokumente und eben auch Fotos von allen möglichen Medien die Möglichkeit einer Wiederherstellung bietet, auch wenn das Filesystem völlig hinüber ist, etc… und das Ganze Opensource, sprich zur freien Verwendung.

Nett, dachte ich mir, dieses Tool muss ich mir einmal genauer anschauen.

Egal ob für Linux, Windows oder MacOSX – für so ziemlich jedes System wird ein Zip-Archive angeboten. Heruntergeladen, entpackt – aber, anstatt einer netten *.dmg-Datei finde ich nur ein paar Textfiles und im Ordner ‚Darwin‘ zwei Scripte namens ‚photorec‘ und ‚testdisk‘. Kurzer hand im Terminal in das Verzeichnis gewechselt und per ‚./photorec‘ das Script aufgerufen. Doch um irgendetwas erreichen zu können, sind hierzu erstmal root-Rechte notwendig. Also nochmal,… ’sudo ./photorec‘ aufgerufen und siehe da, das Programm erkennt meine Systemefestplatte meines Macbooks.

Schön und gut, aber ich möchte doch zum Beispiel nur die Fotos von einer CF-Karte retten? In meinem Zimmer steht ein Sideboard mit vier großen Schubläden. Einer dieser ist voll mit Fotogeraffel… nach kurzer Suche fand ich eine alte 512 MB große Speicherkarte. Am Macbook angesteckt, kurzer Check… Karte ist leer:

coldy:darwin jamos$ df -h /Volumes/EOS_DIGITAL
Filesystem Size Used Avail Capacity Mounted on
/dev/disk1s1 488Mi 80Ki 488Mi 1% /Volumes/EOS_DIGITAL

Ok, ich startete noch mal das Tool ’sudo ./photorec‘ und siehe da, nun wird neben der Systemfestplatte auch die Speicherkarte aufgelistet. Ausgewählt und gedrückt muss man nun den passende ‚Partition table Type‘ auswählen – im Falle einer Speicherkarte ist es immer ein FAT16, sprich eine Intel/PC-Partition. . Nun wird bei mir eine Partition erkannt, die ich ebenfalls auswähle. Über Optionen oder FileOpt stehen noch weitere detailliertere Auswahlmöglichkeiten offen. Zum Beispiel habe ich über FileOpt lediglich die beiden Filetypen CRW (da Canon RAW) und JPG ausgewählt – andere Files würde ich auf so einer Speicherkarte jetzt weniger erwarten. :) Also, Partition ausgewählt, ‚SEARCH‘ und los gehts, nach paar weiteren Fragen zum Filesystem und welcher Bereich den überhaupt analysiert werden soll (falls bereits Neudaten auf diesem Datenträger vorhanden sind, soll natürlich nur der freie Speicherplatz durchsucht werden – in meinem Fall, der gesamte). Als letzten Schritt wählt man noch das Zielverzeichnis aus, wohin die geretteten Dateien hingesichert werden sollen, was man durch ein ‚Y‘ bestätigt. Dann geht es los… zum Glück handelt es sich herbei nur um eine 512MB große Karte. Somit ist dieser Wiederherstellungsvorgang in wenigen Minuten abgeschlossen und siehe da, es wurden tatsächlich 129 jpg-Files gerettet:

Jetzt interessierte mich natürlich ganz besonders, was das für Fotos sind, da ich ja überhaupt keine Ahnung mehr hatte, wann ich diese Speicherkarte das letzte mal benutzt hatte. Und siehe da, ich habe durch dieses Tools Bilder von meinem Australien Urlaub 2008 von dieser CF-Karte wiederhergestellt. Das Tolle, auf dem ersten Blick konnte ich mich auch daran erinnern, wo ich diese Bilder gemacht hatte und zwar während einer 6 stündigen Wanderung auf den Mt. Rufus im St. Clair Nationalpark auf Tasmanien… wuhuu… da kommen gleich Gefühle hoch und witziger weise fand ich auch ein passendes Bild für diesen Artikel unter den 129 geretteten jpgs:

Also, mein Fazit, ich bin froh, dass ich über dieses Tool gestolpert bin. Endlich eine anständige Software zur Datenrettung und das auch noch völlig kostenlos, da Opensource. Vielen Dank an dieser Stelle an Christophe Grenier, die Person hinter CGSecurity für dieses nützliche Stück Software.

Die Konsole-basierte Bedienung des Programms mag zwar für den einen oder anderen etwas kompliziert erscheinen, aber grundsätzlich ist die Usability perfekt umgesetzt und für jeder Mann machbar, auch ohne Terminal-Erfahrung.

Auf der Seite www.cgsecurity.org/wiki/PhotoRec finden sich zahlreiche Details und Hintergrundinformationen für diejenigen unter euch die sich noch etwas tiefer mit der Materie beschäftigen wollen.

Benutzung dieser Software auf eigenes Risiko, der Autor dieses Artikel kann für mögliche Schäden nicht haftbar gemacht werden.

Freue mich natürlich über Feedback und über jeden Retweet dieses Artikels! :)

Erstellung Panorama-Views mit Hilfe des Opensource-Tools Hugin

Vor kurzem verbrachte ich meinen Urlaub auf den Azoren. Diese Inselwelt ist für jeden Landschaftsfotografen ein Traum. Mit Sicherheit werde ich noch häufiger in Ausschnitten darüber bloggen. :-) Dieses mal widme ich mich aber dem Thema Panorama. Über Twitter erhielt ich von @96dpi und @perscriptor den Tipp, das Opensource-Tool Hugin zu testen, was in Version 0.7 für Windows und MacOSX zur Verfügung steht. Gesagt getan, hier mein Ergebnis:

panorama_lagoa_do_fogo_azores_small

Vorgeschichte

Am Boden des Kraters am Lagoa do Fogo auf der Insel Sao Miguel tat sich ein wundervolles Panorama vor mir auf. Fantastisch, das möchte ich in einem Bild festhalten, dachte ich mir… da ich kein Stativ mit hatte, vollzog ich erstmal Trockenübungen mit meinem Körper – wie drehe ich mich am besten in 360 Grad?! Nachdem ich den „Dreh“ raus hatte, ging es auch ganz fix und ich hatte die atemberaubende Umgebung in 16 Hochkantfotos im Kasten, bzw. auf der Karte. Im P-Modus checkte ich zuvor kurz die Blende und Belichtungswerte der Teilbereiche ab und stellte im M-Modus anschließend auf einen entsprechenden Idealwert -> Blende auf 10 und die Belichtungszeit auf 1/200, ISO 100, 10mm. In diesem Fall hatte die Fast-Mittagssonne einen großen Vorteil. ;-)

wieder zu Hause

Zu Hause, als ich meine zuvielen Fotos ausgelesen hatte, war ich doch von dem Ergebnis dieser Bilderreihe überrascht und suchte eine einfache Möglichkeit per Software und möglichst viele automatismen daraus in wenigen Schritten ein Panorama zu bauen. Wie schon geschrieben… Twitter ist für soetwas genial! Einmal in die Runde gefragt wurde mir Photoshop und Hugin empfohlen. Adobe Photoshop hat entsprechende Werkzeuge oder Aktionen hierfür integriert, aber da ich dies nicht besitze greife ich lieber auf das scheinbar sehr mächtige Opensource-Tool Hugin zurück.

Hugin, Installation unter MacOSX

Windows, keine Ahnung, aber unter MacOSX verläuft die Installation denkbar einfach. Einmal heruntergeladen wird das Archive, je nach Einstellung automatisch gemountet. Nun einfach nur noch die Hugin.app nach Applications ziehen, fertig.  :-)

Das Archive beinhaltet zusätzlich das Plugin Autopano-SIFT-C. Ich empfehlen jedem, dieses nützliche stück Software zu installieren. Es analysiert alle für das Panorama hinzugefügten Bilder nach markanten Punkten und speichert diese automatisch als sogenannte Control-Points ab, woran die Bilder letztendlich ausgerichtet und angefügt werden. Dazu einfach den Container „Autopano-SIFT-C 2.5 plugin.dmg“ mounten und das Script „Install Autopano-SIFT-C plugin.scpt“ ausführen, fertig. Achtung, zuvor natürlich README lesen! :-)

Die Erstellung meines ersten Panoramas

Meine 16 Hochkantbilder für das Panorama liegen als .jpg in einem Ordner bereit. Zu beachten ist, dass die Nummerierung passt -> zweistellig (01,02,…,16) sonst werden diese falsch sortiert importiert.  :) Und dann ist alles ganz einfach… Hugin starten und die Buttons 1, 2 und 3 nacheinander ausführen.  ;)

  • Per „Load Images“ die 16 Bilder laden
  • Dank des Plugins Autopano-SIFT-C läuft der 2. Punkt „Align…“ völlig automatisiert ab
  • Im Fenster „Panoramic Preview“ führe ich noch unter „Edit“ die Funktion „Fine-tune all Points“ aus und „Optimize“, alle weiteren Möglichkeiten bleiben unangetastet und das Fenster kann geschlossen werden
  • im Hauptfenster wird der 3. Button gedrückt „Create Panorama“, anschließend geschehen wirre Dinge

Nach einer kurzen Zeit liegt im gewünschten Zielordner ein fertiges Panorama in .tif-Fileformat, welches dann mit einem beliebigen Bildbearbeitungsprogramm noch wunschgerecht angepasst werden kann – zum Beispiel möchte man noch entstandenen ungeraden Rand beschneiden, etc.

Fazit, Probleme bzw. höherer Einarbeitungsaufwand

Ein normales Panorama zu bauen ist mit Hilfe des kostenfreien Opensource-Tools Hugin sehr einfach und schnell möglich. Das Fenster „Panoramic Preview“ verfügt über eine Fülle von verschiedenen Projektionen, womit die lustigsten Darstellungen möglich sind.

Bei einem einfachen verschieben des Bildes, um zum Beispiel die Landschaft ideal auszurichten, bin ich allerdings gescheitert – plötzlich hatte ich zu hohe Kurven in meinem Panorama oder das Ergebnis stand plötzlich Kopf? Bei individuellen Anpassungen ist dann doch ein erhöhter Einarbeitungsaufwand notwendig. :-)

Im Großen und Ganzen war ich jedoch sehr positiv von allem überrascht und bin noch immer begeistert von meinem Ergebnis. Top! *Eigenlob stinkt

weitere Links

Konntet Ihr ebenfalls schon Erfahrungen mit Hugin sammeln?
Zeigt uns eure Ergebnisse!  :-)